Alternativen zu Psychotherapie und Psychopharmaka

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Einleitung

In den Selbsthilfegruppen die ich über viele Jahre besuchte, gab es zwar immer Leute die durch konventionelle Therapien Erfolge erzielt haben.  Für Andere, mich eingeschlossen, galt dies jedoch nicht.  Ob es daran liegt dass man kein Vertrauen aufbringen kann, oder daran dass viele Therapeuten besonders für hochsensible Klienten nicht das nötige Einfühlungsvermögen aufbringen, ist egal. Möglicherweise liegt es ja auch einfach daran, dass die klassischen Therapien gerade nicht das Mittel sind, das man braucht.

Ich will hier einige Methoden und Hilfsmittel vorstellen, die man selbstbestimmt anwenden kann, ohne sich in eine therapeutische Beziehung begeben zu müssen. Sie alle sind hilfreich, und ich empfehle, das Problem mit mehreren Ansätzen parallel anzugehen, anstatt immer nur auf ein Pferd zu setzen.

Zu Beginn ist eines überaus wichtig: Wenn Ihr unter schweren psychischen Zuständen leidet, prüft bitte erst mal in wie weit diese biochemisch bedingt sein könnten. Welchen Sinn macht es sich mit Techniken zu beschäftigen, wenn es teilweise oder sogar hauptsächlich an einem Mangel der nötigen Substanzen für das psychische Gleichgewicht liegt? Ich möchte daher, bevor ich zu den geistigen Sachen komme, etwas zu diesem Thema schreiben, und jedem ans Herz legen, das Kapitel Biochemie selbstverantwortlich in die eigene Hand zu nehmen – denn Ärzte, und vor allem Psychiater, weichen aus rechtlichen Gründen kaum jeh von ihren eingefahrenen Schemata ab. 

Allerdings reden wir hier nicht über unbekannte Substanzen – es geht um Dinge die wir über die Nahrung eigentlich sowieso zu uns nehmen.  Warum es trotzdem daran mangelt, und warum sie einen entscheidenden Unterschied machen können, wird weiter unten deutlich.

Zunächst noch ein Disclaimer. Ich bin eine Privatperson, und was ich beschreibe sind meine eigenen Erfahrungen. Ich kann daher weder eine Verantwortung oder Haftung dafür übernehmen, wenn Ihr den einen oder anderen beschriebenen Weg bei euch selber ausprobiert, noch haben meine Ausführungen einen Anspruch auf Richtigkeit oder Vollständigkeit.

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1 – Aminosäuren

Tryptophan

Zu den Aminosäuren die für das psychische Gleichgewicht eine Rolle spielen gehört in herausragender Position Tryptophan. Ich möchte den ersten Absatz daher diesem König unter den essentiellen Aminosäuren widmen. Tryptophan ist der Ausgangsstoff, aus dem Serotonin hergestellt wird.  Es wirkt zugleich stimmungsaufhellend und beruhigend.  Unter den vielen natürlichen Mitteln die für Ängste und Depressionen eingesetzt werden können, wie zum Beispiel Saffran, Rhodiola, oder Johanneskraut, nimmt Tryptophan daher eine besondere Stellung ein – denn es ist das einzige Mittel überhaupt, das die Serotonin-Speicher im Gehirn wieder auffüllt.  Zwischen Tryptophan und Serotonin gibt es übrigens die Zwischenstufe mit dem Namen 5-HTP. Dieses kann man ebenso wie Tryptophan online ohne Rezept im Internet erwerben, es hat allerdings den Nachteil dass manche Menschen über Darmbeschwerden klagen.

Es gibt eine Ärztin, die in der Nähe von San Francisco eine Klinik aufgemacht hat, in der psychisch Kranke Menschen auf der Basis von Aminosäuren behandelt werden. Ihr Name ist Julia Ross, sie hat das Buch „Was die Seele essen will“ geschrieben.

Wie kommt es dass so viele Menschen einen Serotonin-Mangel haben, wenn Tryptophan doch in Bananen, in Cashewnüssen, in Soya, in Geflügel, und in anderen Lebensmitteln vorkommt?  Der erste Punkt ist, dass unsere Lebensmittel aufgrund der ausgelaugten Böden nicht mehr so reich an Vitaminen, Mineralien, und Aminosäuren sind wie es früher einmal war. Noch viel wichtiger ist jedoch unser Lebensstil. Jede Form von Stress, sei es physisch oder psychisch, verbrennt Serotonin. Hinzu kommt, dass natürliche Serotonin-Produzenten wie Bewegung und Zuneigung immer mehr fehlen.  Letztere kann man sich durch Affirmationen übrigens gut selber geben, aber das reicht nicht, wenn die Speicher über lange Zeit geplündert wurden.

Wichtig zu wissen ist, dass hier ähnlich wie beim Vitamin B12 eine Art Teufelskreis entsteht. Je mehr Stress man hat, umso weniger Serotonin ist da. Und je weniger Serotonin da ist, umso empfindlicher wird man gegen Stress. Der Burnout ist vorprogrammiert. Menschen, die in der Kindheit schon misshandelt, missbraucht, oder vernachlässigt wurden, hangeln sich oft ohne es zu wissen von einem Serotonin-Tief zum nächsten. Man glaubt dann, das die alten Programme für die Zustände allein verantwortlich sind, dabei handelt es sich in Wirklichkeit um eine Kombination aus alten Programmen und mangelnder Biochemie.  Auch ohne Tryptophan können die Speicher sich in leichteren Fällen wieder füllen, wenn die Programme aus der Vergangenheit bearbeitet, glücklich gelebt, gesund gegessen, und Sport gemacht wird. Bei Menschen die es hart getroffen hat, ist das jedoch zu wenig – sie brauchen die zusätzliche Zufuhr von außen, und in der Regel geht es anfangs mit Tryptophan auch nur parallel zur Einnahme von Medikamenten.  Denn Tryptophan wirkt anders als Antidepressiva – es hat eine Halbwertzeit von nur zwei Stunden, daher ist es im Vergleich etwa zu Citalopram, mit seinen 33 Stunden, eher „volatil“.  Warum es trotzdem Sinn macht:  Weil durch die Auffüllung der Speicher mit Tryptophan, so Julia Ross, nach einiger Zeit die Medikamente überflüssig sind.

Die Einnahme von Tryptophan sollte unbedingt nur auf nüchternen Magen erfolgen, also am besten drei Stunden nach oder eine Stunde vor dem Essen.  Idealerweise nimmt man es direkt vor dem Schlafengehen, ich selbst nehme es zwei bis drei Mal am Tag, so ist die maximale Zufuhr gewährleistet. Tryptophan konkurriert mit fünf anderen Aminosäuren an der Blut-Hirn-Schranke, und wird dort immer als letztes durchgelassen. Daher also nüchtern nehmen.  Ich kaufe es im Internet, in der Apotheke ist es total überteuert.

Zur Dosierung:

Ob es um Tryptophan geht oder um andere Mittel – es gibt keine einheitliche Empfehlung zur Dosierung, weil die Gehirnchemie aller Menschen unterschiedlich ist.  Jedes Mittel kann man jedoch in geringer, sanft ansteigender Dosierung testen, um herauszufinden welche Menge am besten passt.

Menschen die keine Medikamente nehmen welche auf den Serotoninstoffwechsel einwirken, können Tryptophan realtiv schnell steigern, man fängt mit 250 mg an, und geht pro Woche in 250er Schritten hoch, laut Julia Ross je nach Körpergewicht bis 2000 mg oder mehr, was ich jedoch zuviel finde.  Zeigen sich Anzeichen des sogenannten „Serotonin-Syndroms“ (Nervosität, Gereiztheit, Ängstlichkeit bei gleichzeitiger Euphorie, eventuell Schwindel, Kopfschmerz, aber auch Depressionen können auftreten), dann weiß man dass entweder die Dosis zu hoch ist, oder dass die Speicher voll sind. Man reduziert dann einfach soweit bis man sich wieder wohl fühlt. 

Das Serotonin-Syndrom kann den ursprünglichen psychischen Symptomen  sehr ähnlich sein. Ich hatte als Information zu einer möglichen Tryptophan-Überdosierung bislang gefunden, dass man es nur in Verbindung mit Antidepressiva überdosieren könne.  Aus eigener Erfahrung muss ich dem jedoch widersprechen – auch nach dem Absetzen des Antidepressivums ist das Serotoninsyndrom möglich, und wenn die Speicher übervoll sind, sogar schon bei kleinen Dosen.

Nimmt man Antidepressiva ein, ist die Sache kompliziert, denn es gibt dann Wechselwirkungen mit Tryptophan.  Die dramatischen Beschreibungen des Serotonin-Syndroms im Internet treffen allerdings nur für starke Überdosen zu, in der Regel geht es da um Drogenkonsum. Ich selbst habe das Serotonin-Syndrom in leichter und mittlerer Stärke mehrmals gehabt, etwa anfangs, als ich parallel zu Escitalopram zu schnell mit dem Tryptophan aufbauen wollte.  Innerhalb von vier Tagen war ich bei 1000 mg, das war zu schnell.  Die oben genannten Symptome ließen innerhalb von einem Tag nach, als ich weniger nahm, und fühlten sich weniger schlimm an als die ursprünglichen Depressions- oder Angstgefühle.

Um es nicht so weit kommen zu lassen, baut man Tryptophan langsam auf.  1000 mg gelten auch für Menschen die parallel Antidepressiva nehmen als verträglich, 500 mg als Minimum, aber das ist schon wenig. Baut man mehr als 1000 mg pro Tag auf, dann kommt ab einer bestimmten Menge eine Greiztheit und Nervosität, und man weiß dass es zuviel ist. Bei mir war das ab 1500 mg der Fall.

Wenn die Medikamente irgendwann einmal nicht mehr gebraucht werden, merkt man es ebenfalls genau an den oben genannten Symptomen: Dann sind die Speicher voll.  So lange dies nicht der Fall ist, sollte man jedoch nicht die Medikamente reduzieren. Man kann Antidepressiva nicht ersetzen bevor die Speicher einigermaßen voll sind, und das kann ein Jahr oder länger dauern. Allerdings hat es in dieser Zeit eine stimmungsaufhellende und beruhigende Wirkung, und das ist ja schon mal was.

Ich selbst habe Mitte Mai 2018 nach einem Jahr Tryptophan das Antidepressivum nach längerem Ausschleichen abgesetzt.  Die Ausschleichphase ist nicht einfach, man muss dauernd neu evaluieren ob man gerade zu wenig oder zuviel Tryptophan und Antidepressivum zu sich nimmt um in dem Bereich zu bleiben in dem es angenehm ist. Das bedeutet dass man in dieser Übergangsphase alle paar Wochen einen kleinen Absturz durch das Serotonin-Syndrom hat – wie lange dieser geht, hängt davon ab wie schnell man versteht dass man gerade das Medikament reduzieren sollte.  Ich selber habe immer mehrere Tage dafür gebraucht das zu verstehen – weil es so unnormal scheint, dass man weniger nehmen muss wenn es einem schlechter geht. Genau gesagt habe ich jedes Mal zunächst mehr Tryptophan genommen, bevor mir klar wurde dass ich weniger nehmen muss. Manchmal sind die Symptome des Serotonin-Syndroms den ursprünglichen Symptomen der Depressions- und Angstzustände wie gesagt sehr ähnlich.  Heute brauche ich weder das Antidepressivum noch Tryptophan.

Ein Bekannter von mir, bei dem Medikamente keinerlei Wirkung zeigten, verzeichnet mit 1000 mg Tryptophan deutliche Erfolge.  Es lässt ihn nach einer sehr langen Zeit mit mittleren Depressionen endlich aufatmen.  Ein anderer, der sich auf nur 500 mg beschränkt hat, hat keine Wirkung verspürt und leider nach ein paar Wochen damit aufgehört – 500 mg waren zu wenig.

Leute mit bipolarer Störung sollten Tryptophan auf keinen Fall in der euphorischen Phase nehmen.

Für Leute mit Schizophrenie ist Tryptophan laut einer Studie ebenfalls kontraindiziert, sie sollten besser mit Glycin ihre Symptome mildern (siehe weiter unten) und können, falls sie parallel zur Schizophrenie unter Depressions- und Angstzuständen leiden, sich überlegen, mit eher geringen Mengen Tryptophan die Speicher zu füllen.

Ein Tryptophan-Mangel kann übrigens auch durch eine Fructose-Intoleranz hervorgerufen werden: Die unverdaute Fructose bindet das Tryptophan im Darm.

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Inositol

Inositol ist eine gute Ergänzung zu Tryptophan. Die Mischung dieser beiden Aminosäuren wurde bereits in dem im Jahr 1999 erschienenen Buch „Depression-free, naturally“ von Dr. Joan Mathews empfohlen. Insgesamt zeigt sich, dass Inositol vor allem bei Krankheiten wirkt, die auch auf die Einnahme von selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern ansprechen.

Inositol wurde in der Therapie verschiedener psychischer Erkrankungen erforscht, nicht zuletzt, weil ein verminderter Level an Inositol bei Depressionen und anderen Erkrankungen beobachtet wurde. Dabei zeigten sich Erfolge der Inositol-Behandlung vor allem bei psychischen Krankheiten wie:

  • Depressionen
  • Panikattacken
  • Agoraphobie
  • Alzheimer
  • Essstörungen wie Bulimie und Fressattacken
  • Zwangsstörungen und Neurosen

In der Behandlung von Panikattacken und Zwangsstörungen war Inositol laut einer Studie aus dem Jahr 2001 ebenso effektiv wie das Antidepressivum Fluvoxamin, das oft von Therapeuten verschrieben wird. In einer weiteren Studie zeigte sich Inositol therapeutisch so wirkungsvoll wie das Dibenzazepin Imipramin.

Zur Behandlung psychischer Zustände wird meistens eine Dosis von 12 bis 18 Gramm pro Tag empfohlen, die man zusammen mit Glycin in einem Glas Wasser aufgelöst zu sich nehmen kann. Zeichen einer Überdosierung sind Kopfschmerzen und/oder Schwindel. Bei mir sind diese Dosen zuviel, ich war auf 6 Gramm runter gegangen nachdem es mir ein paar Mal ziemlich mies damit ging.  Seit es mir besser geht, nehme ich es gar nicht mehr.

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Glycin

Die Aminosäure Glycin wirkt auf eine sanfte Weise sehr beruhigend.  Als ich aufgrund von zuviel innerem und äußerem Streß in einen Burnout geriet, hatte ich folgende Symptome: Angst, Zittrigkeit, Schweissausbrüche, das Gefühl, jeden Moment zusammenzubrechen.  Nach zwei Wochen habe ich mir Glycin besorgt, und die Symptome waren innerhalb von einem Tag deutlich geringer.

Glycin ist eine nicht-essentielle Aminosäure, die in so gut wie jedem proteinhaltigem Nahrungsmittel enthalten ist. Es hemmt die Übertragung von Nervenreizen, eine wichtige Voraussetzung für den Einschlafprozess. Es gibt Hinweise, dass es Symptome von Schizophrenie verringert. Die Aminosäure hat einen völlig anderen Wirkmechanismus als alle bekannten Schlafmittel, die mehr oder weniger nur betäubend wirken. Glycin kann Signale im zentralen Nervensystem abschwächen. Es mindert die Unruhe hyperaktiver Nerven und führt zu einer Optimierung der neuromuskulären Kontrolle.

Dosierung:

Glycin wird meistens in einer Dosierung von 3 bis 10 Gramm täglich empfohlen. Studien haben gezeigt, dass die Einnahme bis 45 Gramm pro Tag keine Nebenwirkungen hat, ab dann wird es manchen Leuten unwohl im Bauch.  Ich selbst nahm 30 Gramm, und zwar drei Mal täglich 10 zum Essen, weil ich bei nüchterner Einnahme Bauchgrummeln bekam.

Hier eine Liste der Wirkungen, die ihm zugeschrieben werden:

  • verkürzt die Einschlafzeit und verringert Gedankenkreisen
  • verbessert die Schlafqualität und trägt dazu bei, dass man morgens leichter aufwacht und einen klareren Kopf hat
  • verbessert die Gedächtnis- und Lernleistung
  • trägt dazu bei,  Stress und Angst zu reduzieren
  • unterstützt den Aufbau der Gewebsschicht, die den Magen-Darm-Trakt auskleidet
  • verringert den Abbau von Kollagen in den Gelenken und in der Haut
  • schützt Leber und Niere vor alkoholbedingten Schäden
  • verbessert die sportliche Leistungsfähigkeit
  • unterstützt die Kollagenbiosynthese bei der Reparatur von Bindegewebe wie Bändern, Sehnen und Knorpeln
  • ist eine sinnvolle Ergänzung zu Antipsychotika bei der Behandlung von Schizophrenie

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Weitere Aminosäuren, die den Gemütszustand beeinflussen sind Glutamin, Tyrosin und Phenylalanin. Glutamin wirkt stark dämpfend, und kann daher bei Hyperaktivität, ADS, ADHS etc. angezeigt sein. Allerdings verstärkt es Depressionen, daher ist bei den meisten Patienten mit Angst- und Depressionszuständen abzuraten. Die anderen beiden wirken eher anregend, und sind daher auch nicht für Angstzustände geeignet.

Weitere natürliche Mittel, die der Körper für das Nervensystem braucht, und die die Verwertung von Tryptophan unterstützen:

  • Omega-3-Fettsäuren (Fischöl-Kapseln)
  • Zink (nie nüchtern, sonst Magenbeschwerden)
  • Magnesium
  • Vitamin D3
  • Vitamin B12
  • Vitamin B1, B6

Ein Wort zu Medikamenten

Ich habe das Martyrium, ohne Hilfsmittel zu sein, viele Jahre lang durchgezogen weil ich von Missverständnissen geprägt war, die ich im folgenden auflisten will:

1.) Medikamente verändern die Persönlichkeit

Konnte ich bei mir nicht feststellen, nachdem ich sie endlich nahm.  Antidepressiva bewirken lediglich, dass der Botenstoff Serotonin besser verwertet wird. Wenn Serotonin aufgrund zuviel emotionalem Stress fehlt – warum sollte es dann die Persönlichkeit verändern wenn man diesen Mangel ausgleicht?  Wie oben beschrieben, halte ich Tryptophan für die bessere Alternative, weil es im Gegensatz zu Antidepressiva die Serotonin-Speicher auffüllt. In schweren Fällen ist Tryptophan jedoch in der ersten Zeit nicht ausreichend – ich vermute das liegt daran dass nach einem viele Jahre dauernden Mangel die Speicherstrukturen neu geschaffen werden müssen, und das dauert seine Zeit. Außerdem ist es, wie beschrieben, aufgrund seiner kurzen Halbwertzeit zu volatil um schnell stabile Verhältnisse zu schaffen. Für schwere Fälle ist es daher in meinen Augen angemessen, mit Medikamenten eine Basis schaffen, und das zusätzlich genommene Tryptophan wird dann dafür sorgen dass die Speicher sich aufbauen können, so dass die Medikamente irgendwann nicht mehr gebraucht werden.

2.) Medikamente haben die Nebenwirkung dass sie dumpf/euphorisch/benommen machen

Ich konnte Nebenwirkungen nur in der Einschleichphase feststellen, danach absolut nichts mehr. Wir reden hier über Antidepressiva – über starke Neuroleptika kann ich nichts sagen.

3.) Medikamente bewirken dass man seine Probleme nicht mehr spürt und halten einen so von der Auseinandersetzung mit diesen ab

Das stimmt nur wenn man eine hohe Dosierung nimmt.  Man kann sie ja dosieren wie man will – ideal ist, wenn man die Probleme gerade so weit noch spürt dass sie wahrzunehmen sind, aber ohne dass sie einen übewältigen oder einen vom Job abhalten. Auf diesem Level ist der natürliche Zustand angesiedelt, der da wäre, wenn die Serotonin-Speicher voll wären.

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2 – Vitamin B12

Vitamin B12-Mangel kann schwerste psychische Zustände hervorrufen. Auch wenn man kaum körperliche Symptome hat, kann ein massiver B12-Mangel vorliegen. Die psychischen Symptome treten oft zuerst auf. Vegetarische Ernährung ist übrigens nicht immer der Grund. Bei nicht wenigen Menschen entsteht der Mangel an B12 aus anderen Ursachen – unser Verdauungssystem ist durch die schlechte Ernährung so stark geschädigt, dass B12 noch schlechter aufgenommen wird, als es sowieso schon der Fall ist. Außerdem gibt es mannigfache Faktoren, die einen erhöhten B12-Bedarf nach sich ziehen, und somit die natürlichen Speicher im Körper auch bei normaler Ernährung entleeren:

  • Psychischer Streß

  • Rauchen

  • Alkohol

  • Magensäurehemmer

  • Alter

  • Verschiedene Krankheiten

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Ein paar Stichworte:

  • B12 ist das Nerven-Vitamin schlechthin

  • Es restauriert nicht nur kaputte Nerven, sondern schützt diese durch die Myelinscheide

  • Ist die Myelinscheide kaputt, liegen die Nerven blank

  • Es wird ergänzt und unterstützt durch B1, B6, und B9 (Folsäure)

  • Die Speicher halten viele Jahre, daher kommen die Mangelsymptome schleichend

  • Zu den psychischen Symptomen gehören: Depressionen, Angst, Schizophrenie, Psychosen

Vitamin B12 heißt auf medizinisch „Cobalamin“. Es gibt vier Cobalamine:

1.) Hydroxocobalamin – dieses ist für die Speicherung notwenig, es wird bei Bedarf in die anderen beiden umgewandelt und ist daher das wichtigste.

2.) Methylcobalamin – es ist für die Nerven zuständig, und kann als einzige Form die Blut-Hirn-Schranke überwinden.

3.) Adenosylcobalamin – ist für andere körperliche Dinge zuständig.

4.) Cyanocobalamin – dieses sollte man meiden, es ist die künstlich hergestellt Form, die nicht so gut wirkt und als einzigste Nebenwirkungen hervorruft.

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Es gibt zwei Möglichkeiten, die leeren Speicher wieder aufzufüllen:

1.) Mittels oraler Gabe: Leider wird so nur ca. 1 Prozent der Menge absorbiert, der Rest wird ausgeschieden. Daher muss man zum Aufbau mindestens 1000 mcg (Mikrogramm) pro Tag einnehmen, plus Vitamin B-Komplex. Ein Problem ist das nicht, es ist völlig nebenwirkungsfrei. Der Effekt war bei mir schon nach der ersten Gabe spürbar. Bei manchen Menschen liegt jedoch eine Malabsorption im Darm vor. Sollte die orale Einnahme nicht zu einer Veränderung führen, ist es daher angeraten, einen Versuch mit Spritzen zu machen. Schaden tut es nicht, und man weiß dann ob man einen B12-Mangel hat oder nicht.

2.) Mittels Spritzen: Beim Arzt bekommt man die in den Muskel, 1000 mcg werden dann voll verwertet. Oder man spritzt sie sich selbst mit einer Insulin-Spritze in das Bauchfett, dann werden von 1000 mcg immerhin 500 mcg verwertet. So habe ich es gemacht, man kann 0,3 mm Kanülen, 2-ml Spritzen, und Hydroxocobalamin-Ampullen rezeptfrei bei Amazon oder in einer Online-Apotheke bestellen.

Ergänzend sollte man unbedingt auch ein gutes, natürliches B-Komplex Präparat zu sich nehmen weil diese mit B12 zusammenspielen. Das wichtigste ist Vitamin B9 (Folsäure) – hiervon lohnt es sich in der Aufbauphase eine größere Menge separat zu bestellen. Zu beachten: Folsäure muss als solche erst kompliziert umgewandelt werden, effektiver ist es daher, gleich zu Folat zu greifen. Die eigentlich bioaktive Form von Folat, die im Blut zirkuliert und von den Zellen aufgenommen werden kann, heißt  L-5-Methyltetrayhydrofolat.

Darüber hinaus schwören viele Leute auf Alpha-Liponsäure wenn es um die Nerven geht, ich habe es noch nicht probiert, zu beachten ist, dass auch hier fast alle Hersteller die minderwertige Variante verkaufen, die hochwertige heißt „R-Alpha-Liponsäure“.

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Kommen wir nun zu den psychischen Hilfsmitteln. 

Das erste ist die Grundlage:

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3 – Entschluss

Wenn kein Entschluss da ist, passiert nichts.  Ist der Entschluss fest, dann passiert viel. Das ist stark vereinfacht ausgedrückt.  Der Entschluss ist etwas, das mental, emotional, und seelisch  stattfinden kann, etwas das mal stärker und mal schwächer da ist, etwas das auch mal eine zeitlang vergessen werden kann, und etwas das immer mal wieder genährt werden will.  Der Entschluss kann anfangs nur mental sein, und dann aufgrund einer positiven oder einer negativen Erfahrung felsenfest im emotionalen System verankert werden.

Je tiefgründiger und kompromissloser der Entschluss ist, umso schneller geht der Prozess.  Ich erkenne wie stark mein Entschluss ist indem ich mir anschaue, welche Konsequenzen ich zu tragen bereit bin. Mein Entschluss ist felsenfest, wenn ich bereit bin, alles andere hintenan zu stellen, wenn ich bereit bin, mir das notwendige Geld zu verdienen, wenn ich bereit bin, alle nötige Zeit und Energie zu investieren, und wenn ich bereit bin es zur absoluten Priorität in meinem Leben zu machen, mein Ziel geistiger und emotionaler Freiheit zu erreichen. Dass das geht, steht außer Frage.  Wir haben es hier mit psychischen Programmen zu tun, die zu irgendeinem Zeitpunkt erschaffen worden sind, und alles was erschaffen wurde, kann auch wieder entschaffen werden. Es braucht allerdings viel Geduld, sowie die Bereitschaft sich vom Perfektionismus zu verabschieden.

Wenn der Entschluss nur auf der mentalen Ebene da ist, passiert zwar nicht viel, aber man sollte das nicht einfach wegfegen.  Denn darauf kann man aufbauen.

Ist der Entschluss dann einmal ganz tief auf der Seelen-Ebene verankert, dann heißt das nicht dass sofort die Probleme weg sind.  Es heißt einfach nur, dass a) der Prozess nun beginnt Früchte zu tragen, dass b) möglicherweise viel Arbeit und Investitionen vor einem liegen, und dass c) das Leben jetzt ein klares Ziel hat.

Welche Alternative haben wir? Glaubt man daran dass nach dem Tod des Körpers alles vorbei ist, ok, dann kann man Medikamente nehmen und einfach abwarten.  Für diejenigen die ein Gefühl haben dass wir nicht unser Körper, sondern unsterbliches Bewußtsein sind, ist es schwieriger.  Wir wissen, dass es in einem nächsten Leben genau da weitergeht, wo es in diesem Leben aufgehört hat.

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4 – Wieder fühlen lernen

Ich überschreiben diesen Absatz mit dem Titel eines Buches von Safi Nidiaye.  Sie hat viel zum Thema Akzeptanz geschrieben und ist in meinen Augen die Autorin die diesen zentralen Bestandteil des Weges am besten beschreibt.  Man muss die ganzen Übungen die sie empfiehlt nicht machen.  Um ehrlich zu sein, ich habe keine einzige gemacht – dennoch ist sie eine wichtige Autorin für mich geworden weil man dieses Wissen tagtäglich auch ohne Übungen anwenden kann.  „Wieder fühlen lernen“ zeigt uns, dass wir als Individuum und als Gesellschaft die ganze Zeit einen fatalen Fehler gemacht haben.  Wir wollten unsere emotionalen Schmerzen mit Gewalt loswerden.

Es gibt drei Möglichkeiten wie man mit diesen Schmerzen umgehen kann:  a) man unterdrückt sie, das machen die meisten,  b) man drückt sie im Alltag aus, das machen ein paar wenige, man findet sie oft im Gefängnis wieder,  oder c) und diese Möglichkeit ist kaum jemandem bekannt, man heißt sie bedingungslos willkommen so wie sie sind, ohne sie weghaben oder sie ändern zu wollen, und nimmt ihnen damit das Gewicht.  In ihren Büchern beschreibt Safi Nidiaye unter anderem ihre „Herzschlüssel“.  Das funktioniert so:  Wenn eine schmerzhafte Empfindung da ist, fragt man: „Was braucht dieses Gefühl von mir? … braucht es …  Anerkennung?  …  Erlaubnis? … Mitgefühl? … Verständnis? … Respekt? …

Wird ein beliebiges schmerzhaftes Gefühl in voller Akzeptanz in seiner Gänze gefühlt, dann löst es sich auf und etwas Schönes macht sich breit:  Dieses Schöne ist die ursprünglich positive Energie, die in die negativen Gedankenformen gebunden war, welche das schmerzhafte Gefühl produziert haben.  Den Gedanken und Konzepten nicht mehr glauben, sie zwar da sein zu lassen, aber ihnen nicht mehr zu glauben, und stattdessen die schmerzhaften Gefühle zu fühlen, das ist die Basis von allem was ich weiter unten beschreiben werde.  Diese Bereitschaft, den Spieß umzudrehen und nicht mehr vor den Gefühlen wegzulaufen, ist die logische Folge dessen was ich als felsenfesten Entschluss bezeichnet habe.

Die Frage wie lange es dauert, hängt abgesehen von der Entschlossenheit von drei Faktoren ab:  Wieviele Programme sind da?  Wie intensiv sind sie?  und, Wie tief sind sie verankert?  In meinen Fall waren es extrem viele, sie waren extrem intensiv, und sie waren extrem tief verankert.  Nach den zehn Jahren des Gefühle-fühlens resümmierte ich, dass ich trotz kontinuierlichen Aufwandes nur ungefähr ein Drittel der Schwere verloren hatte; Mir war zwar inzwischen klar, dass das bedingungslose Akzeptieren der Gefühle die Basis ist, ohne die nichts geht.  Denn Nicht-Akzeptanz ist das gleiche wie Gegnerschaft, und alles gegen das man ist, bleibt stark, weil es sich genau von eben dieser Energie des Verdrängens ernährt, egal wieviele äußere Hilfsmittel man hat. Es war nach zehn Jahren auch trotz der immer noch sehr starken Zustände ein deutlicher Unterschied da, weil ich das Gefühl hatte, aktiv etwas tun zu können. Aber ich wollte mehr, und schaute mich um, was es zusätzlich noch gab.

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5 – Geistheilung

Das wird jetzt einige abschrecken.  Denn wir kennen ja die Meinung des Mainstreams: Humbug, Scharlatanerie, Geldmacherei.  Aber – wollen wir zum Mainstream gehören?

Wenn man die richtige Art von Geistheilung wählt, wirkt es immer stabilisierend, nie destabilisierend.  Es ist daher gerade auch für sehr instabile Leute geeignet.

Die Hemmschwelle zu so einer Person zu gehen, ist groß. Immerhin steht die These im Raum, dass sie aktiv in meiner Psyche Dinge verändern kann.  Es können alle möglichen irrationale Widerstände auftauchen: Plötzlich fand ich die potentielle Gefahr, das Geld für die erste Sitzung umsonst ausgegeben zu haben, als unerträglich.

Ich möchte aufgrund meiner guten Erfahrungen jedoch jeden dazu ermuntern, sich von solchen Widerständen nicht beeindrucken zu lassen, und diese zur Verfügung stehende Hilfe in Anspruch zu nehmen.  Es gibt nicht nur Programme, die uns das Leben schwer machen, sondern auch alte, aus Dummheit oder unter Druck eingegangene Verträge die immer noch wirken, alte, längst vergessene Versprechungen, die immer noch eine geistige Verbindung zu Leuten aufrechterhalten mit denen man eigentlich nichts zu tun haben will.  Ein guter Geistheiler kann solche Sachen finden und auflösen.

Insgesamt habe ich mehr als ein halbes Dutzend Anbieter ausprobiert bevor ich dort gelandet bin wo ich auch heute noch, nach Jahren, Sitzungen nehme.  An dieser Aussage kann bereits abgelesen werden, dass ich a) immer noch nicht fertig bin, und b) es einen Haufen Geld gekostet hat.  Es gibt immer noch Krisen, allerdings ist das Gesamtgewicht viel leichter geworden.

Ich will vor allem denjenigen die mit Zwängen und Psychosen zu tun haben, wärmstens empfehlen alles dafür zu tun dass sie sich das leisten können, und sich im Verlauf der Behandlungen von den Phasen des Leerlaufs die es mit sich bringt nicht abschrecken zu lassen.  Die Entwicklung verläuft nie linear, sondern in Sprüngen. Immer wieder kommt es vor, dass man über ein paar Wochen oder Monate hinweg keinen Fortschritt wahrnimmt, bevor wieder ein Klumpen wegbricht. Diese Leerlauf-Phasen nimmt man stärker wahr, wenn man Geld dafür bezahlt.

Es gibt drei Kategorien von Geistheilern. Ich fühlte mich zunächst zu Energie-Heilern hingezogen.  Sie führen, meist über ihre Hände, heilsame Energie in den Körper.  Davon möchte ich bei psychischen Dingen abraten.  Ich habe diese Energiezufuhr zwar als etwas Wunderschönes erlebt, und prinzipiell ist dagegen nichts zu sagen.  Aber diese Energien sind im Prinzip einfach nur als wenn man einem Verbrennungsmotor statt Normalbenzin ein starkes Flugbenzin zuführt.  Energie hilft einem stark dabei, sich selbst zu heilen, wenn man den oben beschriebenen Prozess des Gefühle-fühlens macht. Sie gibt einem das Gefühl dass alles gut werden kann. Sie lässt einen die Dinge in einem anderen Licht sehen. Wenn die Bereitschaft, den Prozess zu machen, jedoch nicht da ist, und stattdessen der Glaube auftaucht dass die Energie alles machen soll, dann will man immer mehr davon, aber sie wirbelt nur noch alles auf, und dann fängt man richtig an, Achterbahn zu fahren.

Die zweite Kategorie sind Einzel-Geistheiler, die dazu in der Lage sind, selbständig in das Geist-Emotions-Gefüge eines Klienten einzutreten und dort aktiv Dinge zu erlösen.  Sie machen dies mit Hilfe eines sehr starken Willens, gepaart mit bedingungsloser Akzeptanz;  Ich habe das zwei mal ausprobiert, und es war keine sehr gute Erfahrung weil die Heiler beide eher wenig Einfühlungsvermögen besaßen. Hinzu kam dass sie mir damals die Bilder die sie gesehen haben, mitteilten, und das war nicht schön.

Bei der dritten Gruppe handelt es sich um Geistheiler, die in einer jahrhundertelangen Tradition stehen – die Schamanen.  Hier passiert im Prinzip das gleiche wie bei den gerade beschriebenen Einzel-Geistheilern. Im Unterschied zu diesen vollbringen die Schamanen die Arbeit jedoch nicht ausschließlich selbst, sondern sie arbeiten mit gutmütigen, wohlwollenden Spirits zusammen.  Hier hat man das Gefühl, in sicheren Händen zu sein, weil der Geistheiler in ein Netzwerk von wohlwollenden Geistern eingebunden ist.  Die Schamanen rund um den Globus gehören zu diesem Netzwerk, vor allem aber die feinstofflichen Spirits, die gemeinsam aufpassen dass alles richtig läuft, und einen großen Teil der Arbeit machen.  Zusammengefaßt lässt sich sagen, dass die Spirits einem hilfreich unter die Arme greifen und für uns einige unserer schwersten Verstrickungen auflösen können.  Allerdings dauert es in schweren Fällen wie gesagt unter Umständen eine längere Zeit;

Damit die Spirits aktiv werden, muss der Schamane sie darum bitten. Genauso funktioniert übrigens auch das Gebet.  Beim Beten richtet man sich zwar in der Regel nicht an Spirits (oder „Engel“), sondern an das allem zugrunde liegende Selbst, das wir laut östlicher Mystik letztlich alle sind. Ich vermeide das „Gott“-Wort, nicht nur weil es so oft zur Machtausübung missbraucht wurde, sondern auch weil die westlichen Religionen es geschafft haben einer fundamentalen Lüge raumgreifend Platz zu geben: Nämlich dass das was ich am liebsten das „Selbst“ nenne, etwas sei, das prinzipiell von uns getrennt sei. Auf der Basis dieser Lüge konnte das vernichtende Konzept von Schuld mit allen seinen Konsequenzen von Scham, Selbst-Hass, und auf andere projiziertem Selbst-Hass überhaupt erst ins Leben gerufen werden. Wenn erkannt wird dass alles ausnahmslos Eins ist, wer kann dann schuldig sein? 

Karma ist übrigens eine völlig andere Sache. Das ist ein Prozess der einfach abläuft nach dem Muster „was man säht, wird man ernten“.  Da ist keinerlei Verurteilung, nichts moralisches, und vor allem: Keinerlei Bestrafung dran, es ist ein rein mechanischer Ablauf, wie ein Naturgesetz. Das Selbst urteilt von Natur aus nicht, es straft nicht. Übrigens kann man Karma auch durch Dienst, oder Hingabe, oder Meditation auflösen – man muss nicht alles selber erleben was man anderen angetan hat.

Wichtig ist, dass man sich den Geistheiler genau aussucht.  Es gibt viele Leute die sich so nennen, das ist kein geschützter Begriff.  Manche machen zwei Wochenendkurse, und dann sind sie Schamane.   Meine Schamanin macht jedes Jahr Fortbildungen. Sie lebt für mich zu weit weg, daher nehme ich nur Fern-Behandlungen.

Also: Klar prüfen, seit wann er/sie es macht, und vor allem wie lange genau die Ausbildungen insgesamt zusammen gerechnet gedauert haben.  Das kann man per Mail fragen. Auch sollten keine überhöhten Preise bezahlt werden.  Üblich sind 1 Euro pro Minute.

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6 – Affirmationen

Affirmationen sind einfache, klare, positiv formulierte Sätze. Sie schaffen eine neue Realität. Die Funktionsweise von Affirmationen ist, dass die neuen Programme die man sich damit aufbaut, ein Gegengewicht zu den alten, negativen Ansichten und Überzeugungen darstellen. Man hat jetzt einen alternativen Standpunkt zur Verfügung, den man vorher nicht hatte. Und von diesem neuen Standpunkt aus ist es möglich, das Alte aus der Distanz zu betrachten, es in Frage zu stellen, und es schließlich zu entglauben.

Affirmationen wirken dann am besten, wenn sie knapp gehalten, und in nicht allzu großer Anzahl verwendet werden. Man kann sie lesen oder hören. Es gibt fertige CD’s, aber die sind pauschal gehalten, was nicht optimal ist.  Idealerweise kann man sie sich daher passgenau aufsprechen lassen, zum Beispiel unter www.persoenliche-affirmationen.de .

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7 – Energie

Positive feinstoffliche Energie ist grundsätzlich etwas sehr schönes – wenn man stabil und psychisch gesund ist.  Es ist wichtig zu wissen dass ihre Wirkung in das Gegenteil umschlagen kann wenn man zuviel davon zu sich nimmt. Für alle Arten von feinstofflicher Energie gilt, dass sie zwar erstens unterstützt, aber zweitens auch schlummernde Programme weckt. Auch besteht die Möglichkeit dass man sie als Flucht vor schmerzhaften Emotionen benutzt – mit fatalen Folgen. Für schwere Fälle kann Energie daher ein sehr heikles Thema sein.  Menschen die sich zuviel davon gegeben haben, werden regelmässig in Psychiatrien vorgefunden. Zum Vergleich: Bei schamanischer Geistheilung kann man nichts übertreiben – egal wieviele Sitzungen man nimmt, es wirkt immer stabilisierend.

Energie macht einen Unterschied im eigenen Prozess, aber sie kann immer nur Motivation und Unterstützung sein, und nie das, was die Dinge aktiv auflöst.  Die Dinge werden entweder von uns selbst aufgelöst, oder von einem Geistheiler, oder von dem Selbst, das wir letztlich alle sind.

Alles was mit dem Erwecken der Kundalini zu tun hat, sollte man unbedingt meiden. Die Kundalini erwacht von selbst wenn man reif dafür ist. Versucht man es zu erzwingen, können massive Nachteile auftreten.  Das gleiche gilt in meinen Augen bei instabilen Menschen für Reiki und ähnlichen Methoden.

Als wesentlich klarer empfinde ich die Energie spiritueller Kraftorte: Solche Kraftorte gibt es überall, allerdings sind sie meistens eher schwach.  In Europa haben oft die Christen ihre Kathedralen direkt darauf gebaut.  Die Energie dort ist sehr angenehm, und nicht stark genug um zu destabilisieren. Der wohl stärkste bekannte Kraftort ist der Berg Arunachala in Süd-Indien.

Bei einem Erleuchteten oder „Erwachten“ zu sitzen ist für viele ein wahrnehmbar energetisches Erlebnis.  Ich werde unten mehr darüber schreiben.  Auch diese Quelle wirkt nicht destabilisierend, weil man da ja im Gegensatz zu Reiki in der Regel nur ein Mal die Woche hingeht.

Meditation: Von transzendentaler Meditation (TM) rate ich dringend ab – sie wirkt bei psychisch angeschlagenen Menschen destabilisiernd. Zen-Meditation und Vipassana sind zwar nicht so destabilisierend, aber sie vermeiden, genau wie TM, das Gefühle-fühlen.  Man soll dort die Gefühle „beobachten“, aber das allein reicht nicht aus, um sie zu befreien.  Da man sich das Gefühle-fühlen durch diese Techniken eher abgewöhnt, rate ich für Leute mit psychischen Problemen auch hiervon ab, und empfehle das oben beschriebenen Gefühle-fühlen als tägliche Meditation, die man entweder zu einer bestimmten Zeit ausführt, oder den ganzen Tag nebenher, oder beides.

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8 – Satsang

Satsang ist das Zusammensein mit einem Erwachten.  Unter erwacht versteht man Leute die erlebt haben dass das persönliche Ich, als welches wir uns normalerweise verstehen, nicht mehr ist als ein Gedanke, mit dem sich das reine Bewußtsein, das wir wirklich sind, identifiziert. Sie erfahren sich als reines, unpersönliches Bewußtsein.

Diese Leute haben eine völlig andere Ausstrahlung als andere Menschen. Sie leben und handeln überwiegend aus dem Selbst heraus, der ständige Gedankenstrom ist weitgehend zum Erliegen gekommen. In Deutschland gibt es über 100 Erwachte die als Lehrer arbeiten. Sie sind nicht organisiert, es gibt keine wie auch immer gearteten Mitgliedschaften, keine Struktur, keinen Plan. In der Regel finden Abendveranstaltungen auf Spendenbasis statt.

Bei Youtube kann man Videos schauen. Es gibt Anssi, Soham, Mooji, Eli Jaxon Bear, Adyashanti, und viele andere. Fast alle Satsanglehrer beziehen sich auf die undogmatischen Lehren von Sri Ramana Maharshi, der 1950 gestorben ist.

Im Satsang wird für viele ein angenehmes Energiefeld spürbar. Der Blick in die Augen eines Erwachten ist endlos weit.  Das liegt daran dass dort keine Person mehr vorhanden ist, die Widerstand gegen uns leisten würde. Die Lehren sind transpersonal, d.h. der Satsanglehrer wird immer versuchen sein Klientel aus der Verhaftung mit dem persönlichen Ich zu befreien. Dies bietet den Ausblick auf einen Horizont jenseits der niederdrückenden Stimmungen.

Es kann allerdings auch zu einer Falle werden, nämlich dann wenn schwere Traumata das Erwachen effektiv verhindern, man aber trotzdem daran festhält dass Satsang der beste Weg für einen sei. Wenn der Satsang-Lehrer in seinem Leben keine schweren Zustände durchgemacht hat, weiß er nicht dass es neben der Verhaftung mit dem Ich-Gedanken auch biochemische und neurologische Gründe für das Leiden gibt.  Hier kommt es leider oft zu einer Art Verblendung: Aus dem erwachten Zustand heraus scheinen alle Probleme mehr oder weniger belanglos zu sein, die Lehrer können dann nicht richtig nachvollziehen was manche Menschen durchmachen. Erwachen und psychische Gesundheit sind zwei komplett verschiedene Baustellen, es gibt hochneurotische Erwachte, und es gibt nicht-Erwachte die ein angenehmes, glückliches Leben haben.  Trotzdem wird der Erwachte immer auf das Erwachen pochen, denn weil bei ihm kein Ich mehr da ist, gibt es niemanden mehr der unter den verbliebenen Neurosen leidet. Man hat also jemanden vor sich sitzen, der aufgrund seiner äußerst angenehmen Präsenz sehr glaubhaft erscheint, aber einem nicht das empfiehlt, was man wirklich braucht.  Ich war lange genug beim Satsang um zu wissen dass etliche Besucher die schöne Energie dazu benutzen um das innere Loch zu verdecken. Aber wenn eine kaputte Biochemie oder schwere Traumata da sind, wird die Erleuchtung auf sich warten lassen. Es ist ermutigend zu sehen, wenn Leute, die im Satsang neben einem gesessen haben, durch ein Erwachenserlebnis plötzlich zu einem völlig anderen, total entspannten Menschen werden. Manche, die schwer traumatisiert sind, sitzen allerdings seit 20 Jahren im Satsang ohne dass sich etwas tut.  Der Körper weiß genau dass das Erwachen mit starken energetischen Veränderungen einher gehen kann, und schützt sich, indem er den Schritt in das totale Loslassen verhindert.

Satsang wird niemandem die psychischen Programme wegnehmen. Aber es ist inspirierend zu sehen dass es möglich ist, außerhalb der Gefängnismauern des unablässig ratternden Verstandes zu existieren. Deshalb lohnt es sich, dort hin zu gehen. Man sollte allerdings den Satsang-Lehrer besser nicht um Hilfe für schwere psychische Zustände bitten, denn davon hat er keine Ahnung. Die Auflösung des Ich-Gedankens und das Arbeiten an den Programmen widersprechen sich nicht.  Letzteres kann, wie jede andere Aktivität auch, aus dem Moment heraus geschehen.

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Fazit

Als Alternativen zu Psychotherapie und Psychopharmaka kann ich von den genannten Dingen vor allem drei empfehlen – die Heilung der Biochemie, das Gefühle-Fühlen, und Geistheilung.

Ich bin, wie man unschwer erkennen kann, ein Fan davon, die vielen Möglichkeiten die es gibt alle für sich zu verwenden.  Die meisten Betroffenen geben sich über Monate und Jahre mit nur einer einzigen Sache ab, oft Psychotherapie, ohne das ganze Potenzial an Hilfsmitteln zu nutzen.  Wenn ein Weg nach ein paar Monaten keine Erfolge zeitigt, dann sollte man ihn entweder verlassen, oder zumindest ergänzen.  An alle Sachen kann man sich in niedriger Dosierung auch langsam heran tasten.

Ich wünsche viel Erfolg.


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